>> Hinweise für Orgel-Profis

Hinweise für Orgel-Profis


Einige wichtige Hinweise für virtuose Spieler

Das Programm Hauptwerk erfreut sich aufgrund seiner sehr realistischen Wiedergabe von Pfeiffen- und Theaterorgeln inzwischen großer Beliebtheit bei vielen privaten Nutzern, neben- und hauptamtlichen Organisten sowie auch Konzertorganisten. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Sie sind den angenehmen Dingen des Lebens und der Kaffeetasse etwas näher als beim Üben in der Kirche und haben es im Winter auch bedeutend wärmer zuhause.

Grenzen des Systems:

Zur Zeit werden für HW überwiegend Systeme mit Windows-Betriebssystemen verwendet. Ein PC mit 64bit-Betriebs Quadcore-Prozessor oder Core-i7-Prozessor 8GB RAM bringt es etwa auf eine Polyphonie von 6000-7500 (je nach verwendetem Prozessor). Das ist für die meisten Anwender (90%) mehr als ausreichend, weil sie den PC aufgrund ihrer Spieltechnik und der Orgelliteratur nur mittelmäßig belasten.
Anders sieht es da bei virtuosen Organisten aus, die ja auch sehr anspruchsvolle Orgelstücke unter Verwendung von sehr vielen Registern oder vollem Werk spielen. Dabei können so ein gut ausgestatteter PC bzw. die Soundkarte bei schneller Spielweise schon mal in den Grenzbereich kommen bzw. überlastet werden. Fairerweise sollen hier die Gründe und mögliche Abhilfen/Alternativen angesprochen werden.

Die meisten Kirchenorgel Samplesets wurden von einer guten Zuhörerposition aus (z.B. Milan Digital Audio) oder 3-5 m vor dem Orgelprospekt (Organartmedia) mit Raumhallanteil (mehrere Sekunden) gesampelt. Das ist grundsätzlich auch in Ordnung, weil das primäre Ziel darin besteht, die Klänge berühmter Orgeln zu konservieren und somit der Nachwelt zu erhalten, falls die Orgel einmal total marode sein sollte.
Quasi als Nebeneffekt wird ein solches Sample-Set auch dem privaten Nutzer zugänglich gemacht, der sich nun zuhause an der Klangschönheit der Orgel und dem voluminösem Klang erfreuen kann. Mit Kopfhörer und geschlossenen Augen kann man sich tatsächlich vorstellen, daß man mitten in der Kirche sitzt.

Wo Licht ist, ist leider auch Schatten. Der Raumklang, der den Anwender erfreut, hat die unangenehme Eigenschaft, sehr viele Stimmen zu verbrauchen. Stellen Sie sich einmal vor, daß der Raumanteil ca. 3 Sekunden erhalten bleibt (die dafür erforderlichen Stimmen sind natürlich „verbraten“) und Sie spielen zwischenzeitlich fleißig 16tel und 32tel Noten bei vollem Werk, die auch wieder einen Raumanteil von mehreren Sekunden haben. Es dürfte klar sein, daß der Stimmenverbrauch dabei fast exponential ansteigt.
Eine der schönsten Orgeln ist die Ducroquet Cavaille/Coll von Organartmedia. Leider verbraucht sie aufgrund der vielen Register, den vielen Koppelmöglichkeiten und dem sehr langen Raumanteil auch die meisten Ressourcen.
Es gibt leider nur wenige trockene Samplesets (ohne Raumanteil), die bei Bedarf nachverhallt werden können. Trockene Samplesets benötigen weniger Speicher und verbrauchen aufgrund des fehlenden Raumanteils auch weniger Stimmen. Trockene Sample-Sets sind ideal zum Üben (man hört jeden Fehler) und ideal für größere Räume, die einen eigenen Grundhall haben.


Abhilfen/Alternativen:

a) entsprechende Einstellungen in HW für ein zu installierendes Sampleset

b) Überprüfung der Soundkarten-Einstellungen

c) eine andere Rechner-Platform mit genügend Reserven


zu a)

Hauptwerk bietet bei der Installation eines Samplesets diverse Einstellmöglichkeiten an, mit denen der Speicherbedarf vermindert und die Polyphonie zum Teil verbessert werden kann.
Diese sind z.B. bei größeren Samplesets 16bit-Wiedergabe, Mono statt Stereo, Laden aller Ranks (Pfeiffenreihen) oder nur eines Teils davon, Verzicht auf Multi Release Samples und die Raumhall-Abschneidung in Stufen (Truncation).
Die Raumhall-Abschneidung in Stufen ist sicher nicht die beste Lösung (bei Organartmedia absichtlich unterbunden) weil das eigentliche Sample dabei gewissermaßen „vergewaltigt“ wird und mit dem Originalklang nicht mehr übereinstimmt. Manche Register brauchen ja auch den Raum, um sich klanglich richtig aufzubauen. Letztendlich dienen diese Maßnahmen zwar der Performance-Steigerung – aber auf Kosten des Realismus. Welche Maßnahme den nutzbringendsten Effekt bietet, sollte man ausprobieren.

Auch nach der Installation des Samplesets können unter „General Settings – General Options“ noch einige Feineinstellungen erfolgen.


Zu b)

Nicht immer sind die Werkseinstellungen (default settings) auch der guten Soundkarten, wie RME, für Hauptwerk optimal. RME wirbt zwar mit „ASIO in Hardware gegossen“ und fast Null-Latenz sowie keiner Belastung der CPU – aber auch hier gilt es aufzupassen. Latenzen über 12 ms (Puffergröße 512) spürt der Spieler bereits (leichte Verzögerungen zwischen Tastenanschlag und Tonausgabe).

Deshalb fährt man bei Bühnen-PC`s, die z.B. einen Synthesizer oder eine B4-Orgel simulieren, die Latenz so weit hinunter, bis gerade keine Störgeräusche (Knacken, Aussetzer) durch die Soundkarte entstehen. Das sind meist Latenzen von 3-6 Millisekunden. Allerdings liegt hier die Polyphonie bei Werten von bis zu max. 64 oder 128 gleichzeitigen Stimmen. Mit der niedrigeren Latenz gehen auch niedrigere Puffergrößen (6ms ist ungefähr Puffergröße 256) einher. Wenn man bei dieser Einstellung jetzt die Anzahl der Stimmen kontinuierlich erhöht, kommt es zu den bekannten Störgeräuschen/Aussetzern, weil der Puffer zu klein ist, um die Datenflut ordentlich zu verarbeiten (Puffer-Überlauf/Buffer-Overflow). Das passiert bei Hauptwerk natürlich auch, zumal vielmehr Stimmen verarbeitet werden müssen.

Es müssen also größere Puffergrößen her – zu Lasten der Latenz. Bei sehr großen Orgeln, wie der Ducroquet Cavaille Coll müßte man theoretisch auf eine Puffergröße von 1024 (23 Millisekunden) gehen und gleichzeitig die maximale Polyphonie in Hauptwerk auf etwa 4000 Stimmen stellen, um auf der sicheren Seite zu sein. Danach kann man den Wert dann in Stufen erhöhen, bis zu einer Grenze, an der Tonstörungen/-aussetzer erfolgen. Dann wieder auf den darunterliegenden sicheren Wert zurückgehen.

Wenn die Polyphonie herabgesetzt wird, beschneidet Hauptwerk automatisch die Raumhall-Anteile zuerst (und nicht irgendwelche Register) so dass diese Einstellung nicht kritisch ist. Das Sample-Set hört sich nur "etwas trockener (weniger verhallt)" an, sobald die Begrenzung einsetzt.

Nun sind 23 Millisekunden für einen normalen Bühenmusiker natürlich nicht akzeptabel für eine schnelle Spielweise. Bei Kirchenorgeln kann man aber durchaus damit leben, weil hier aufgrund der Bauweise (Entfernung zwischen den Teilwerken und der Barkermaschine etc.) ohnehin beim Original Latenzen bis zu dieser Größenordnung vorhanden sein können. Hier gilt es nun einen Kompromiß zwischen noch vertretbarer Puffergröße und dem einstellbaren Polyphonie-Limit in Hauptwerk zu finden. Das sollte man mit größeren Sample-Sets unter Berücksichtigung der eigenen Spielweise selbst herausfinden/ausprobieren.


Zu c)

Seit einiger Zeit ist das Angebot an 4 GB-RAM-Riegeln deutlich gestiegen und auch die Preise sind wesentlich moderater. Es lohnt sich jetzt, ein Sockel 775-Mainboard, das 16 GB RAM verwalten kann, zusammen mit einem Intel Quadcore-Prozessor zu verwenden (siehe Hauptwerk-System Professional mit 16 GB). Noch mehr Leistungsreserven bilden unsere Workstations mit Win XP 64 Bit / Vista 64 Bit, zwei Quadcore Xeon-Prozessoren und 16GB, 24GB, 32GB und mehr an RAM. Die Komponenten sind zwangsläufig teurer. Wir bauen diese Systeme auf Anfrage, nach gründlicher Beratung. Die High-End Workstations sind wie ein Apple-System aufgebaut, nur insgesamt günstiger.

Die beste Performance und Leistungsreserven bietet ein Apple MacPro mit zwei Quadcore Xeon Prozessoren und z.B. 8-24GB RAM. Es gibt weniger Probleme mit der Hardware (bei Apple gibt es nur ausgesuchte Komponenten) und das Betriebssystem OSX arbeitet fantastisch mit Hauptwerk zusammen. Zur Zeit liegt Hauptwerk für Apple-Computer nur in der 32bit-Version vor. Das heißt, es besteht eine RAM-Limitierung auf 4GB. Inzwischen gibt es ein Beta-Release, das bis zum Erscheinen von Hauptwerk 4 kostenfrei genutzt werden kann (Download). Es funktioniert bereits einwandfrei und erlaubt die Nutzung von RAM-Speicher oberhalb von 4 GB. Den Apple-MacPro können Sie als sog. CTO-Maschine (Configured To Order) über PC & MUSIK beziehen. Die Hauptwerk Version 4 wird voraussichtlich erst im späten 1. Halbjahr 2010 erscheinen, weil es noch sehr viel zu tun gibt.

Kundenbewertung



Th. Bäurle
08.04.2008

Bewertung:  

Hauptwerk-PC mit Intel E6550, 4GB RAM, 250GB HD, WinXP Pro 64bit, HW-Advanced Edition, Sample-Set 1686 Bosch/Schnitger u. RME HDSP 9632

Hier treffen sich hohe Kompetenz, freundliche und unverbindliche Beratung vereint mit fairer Preisgestaltung. Die Lieferung erfolgte rasch wie vereinbart. Die Verpackung war in der Tat bombensicher und das System sofort einsatzbereit. Vielen Dank auch für den Service über die Lieferung hinaus. Das [...]

> Mehr Bewertungen lesen